Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Körperbewusst zwischen Technik und Kreativität. Die Entwicklung des Ausbildungsbereiches Zeitgenössischer und Klassischer Tanz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Gegründet wurde die Ballettabteilung
der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HFMDK) 1961 von Prof.
Peter Ahrenkiel (Klassischer Tanz). 1980 übernahm Prof. Egbert Strolka
(Klassischer Tanz) die Leitung. Im Jahre 1998 erfolgte durch ein Leitungsteam
bestehend aus Prof. Susanne Noodt, Prof. Angela Schmidt, Dieter Heitkamp und
James Schar die Umwandlung des Studienganges Ballett in den Ausbildungsbereich
Zeitgenössischer und Klassischer Tanz, kurz ZuKT genannt.
2001 erhielt Dieter Heitkamp seinen Ruf als Professor für Zeitgenössischen
Tanz, ist seitdem Ausbildungsdirektor und entwickelt mit dem Leitungsteam das
Frankfurter Modell weiter.
Mit dieser Umwandlung des Ausbildungskonzeptes wurde einer Entwicklung im europäischen
Tanz wie auch einer veränderten Situation der Tanzkompanien an Deutschen
Theatern und auch der wachsenden Bedeutung der «freien» Tanzszene
Rechnung getragen.
An den Deutschen Theatern ist ein Generationswechsel in den Leitungen der Ballette
und Tanztheater zu beobachten, der sich auch in veränderten Arbeitsweisen,
Inhalten und Organisationsformen äußert. Es ist festzustellen, dass
die Strukturen an vielen Theatern verkrustet und unflexibel sind und deshalb
nach neuen Formen gesucht wird – sei es ein Modell wie die Pretty Ugly
Dance Company in Köln, Martin Stiefermann zwischen Stadttheater Oldenburg
und der berliner Spielstätte Dock 11, die Anbindung einer Tanzcompany an
ein Schauspielhaus wie Meg Stuart an die Volksbühne in Berlin oder unabhängige
Modelle wie The Forsythe Company, unterstützt von den Städten Frankfurt
und Dresden und den Ländern Sachsen und Hessen oder auch Sasha Waltz &
Guests in Berlin.
Junge Tänzer brauchen heute neben einer guten klassischen Ausbildung auch
eine umfassende Schulung in zeitgenössischen und modernen Techniken, da
die Arbeitsweisen, das Bewegungsmaterial und die Bewegungsstile der Choreographen
komplexer und vielschichtiger geworden sind mit fließenden Übergängen
zur Performance Art. Heute arbeiten Choreographen verstärkt interdisziplinär,
setzen sich mit anderen Kunstformen auseinander, beschäftigen sich mit
Neuen Medien und thematisieren vermehrt politische, gesellschaftliche und philosophische
Fragestellungen.
Die Tänzer im zeitgenössischen Tanz sind nicht nur vielseitig begabte
Interpreten, sondern Kreatoren, Partner der Choreographen und in vielen Fällen
auch Koautoren. Immer öfter werden Tänzer in Programmheften als Choreographen
mitaufgeführt.
Die Frankfurter (Hoch)Schule
Kunsthochschulen sind keine Elfenbeintürme,
sondern sie sind Teil der Gesellschaft, Teil eines sozialen, ökonomischen
Gefüges, einer Stadt, des kulturellen Lebens einer Region. Deshalb ist
es für den Ausbildungsbereich wichtig, mit Partnern in der Stadt und der
Region zusammenzuarbeiten. Seit 1998 gibt es eine Kooperation mit dem Ballett
Frankfurt, die auch in Zukunft mit der Forsythe Company fortgeführt wird.
William Forsythe hat eine Honorarprofessur im Ausbildungsbereich ZuKT. Er gibt
Auszüge aus dem Repertoire zur Einstudierung frei wie z. B. aus Limb‘s
Theorem und Second Detail. In einer Probe von Auszügen aus Artefact II
hat Forsythe die Studierenden selbst gecoacht. Ehemalige Tänzer der Company
gehören zum Lehrerteam der Tanzabteilung, so Prof. Marc Spradling (Klassischer
Tanz) und Nora Kimball (Floor Barre / Klassischer Tanz). Außerdem haben
Tänzer des Ballett Frankfurt wie Christine Bürkle oder Thomas McManus
Konzepte aus der CD-ROM Improvisation Technologies mit Studenten erarbeitet,
Einführungsworkshops in die Arbeitsweisen des Ballett Frankfurt gegeben
und ebenso wie Nicole Peisl und Alan Barnes eigene Choreographien mit Studenten
entwickelt. Studierende haben die Möglichkeit, am Training der Company
teilzunehmen, oder bei Proben zu hospitieren. Zwei Studentinnen haben mit dem
Ballett Frankfurt das Stück Artefact aufgeführt.
Die Verbindung zur aktuellen Tanzszene aber auch zur Tanzgeschichte in der Stadt,
ist für ZuKT sehr wichtig. Zur Frankfurter Tanzgeschichte gehört mit
Sicherheit ebenso die 1998 aufgelöste Gruppe S.O.A.P. des zeitgenössischen
portugiesischen Choreographen Rui Horta, die seit 1991 Hauskompanie des Mousonturms
war und mit grossem Erfolg durch die Welt tourte. Annette Lopez-Leal tanzte
viele Jahre bei S.O.A.P. und unterrichtete mehrere Jahre kontinuierlich zeitgenössischen
Tanz in der Abteilung. Ebenso haben die früheren S.O.A.P.-Tänzer Dietmar
Janeck, Olga Cobos, Peter Mika, Jan Kodet und Prof. José Biondi, der
Trainingsleiter bei S.O.A.P. war, schon mehrere Stücke mit den Studierenden
erarbeitet. Im Tanzmarathon 05 wurden Ausschnitte aus Wolfgang, bitte ..., einer
Choreographie von Rui Horta aus dem Jahre 1992, gezeigt.
Weitere Beispiele für Vernetzung in der Stadt, das Ausnutzen von Potential
vor Ort, sind Masterclasses mit gastierenden Künstlern und Artists in Residence
am Mousonturm und am TAT – so bereits geschehen mit Nigel Charnock, Tom
Plischke, Alexander Baervoets, Tänzerinnen von Meg Stuart, Mathilde Monnier
und Nacho Duato. Besonders inspirierend war die Lecture Demonstration ReKonstrukt
(2000) von Martin Nachbar mit Waltraud Luley, der Grande Dame des Modernen Tanzes
in Frankfurt. Beide berichteten über den Prozess der Rekonstruktion von
Tänzen Dore Hoyers und trugen damit sehr lebendig zur Vermittlung von Tanzgeschichte
bei. Was aus allen diesen Beispielen ersichtlich wird, ist der Versuch, eine
Frankfurter Identität aufzubauen. Seit über sechs Jahren knüpft
ZuKT nunmehr auf diese Weise an Frankfurter Tanztraditionen an.
Definition «Zeitgenössischer Tanz»
Da der Begriff Zeitgenössischer Tanz in der Namensgebung des Ausbildungsbereiches eine wichtige Erweiterung bildete, soll er hier kurz erklärt werden. Als Vorlage dient dabei die Definition des Deutschen Forums für Zeitgenössischen Tanz, von dem Anfang der neunziger Jahre wichtige Impulse für die Entwicklung des Tanzes in Deutschland ausgingen.
Der Zeitgenössische Tanz versteht sich nicht auf der Basis nur einer
Technik oder ästhetischen Form, sondern aus der Vielfalt heraus. Er sucht
Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten und bricht immer wieder
mit vorhandenen Formen. Zeitgenössischer Tanz in diesem Sinne hat eine
offene Struktur, die sich bewusst von festgelegten, linearen Entwürfen
der Klassik und Moderne absetzt. Zeitgenössische Tänzerinnen und Tänzer
sowie Choreographinnen und Choreographen verstehen ihre Arbeit als Suche und
Entwicklung. Zeitgenössischer Tanz ist prozessorientiert und die Ergebnisse
stehen im Kontext einer persönlichen Gesamtentwicklung. Praktisch heißt
das: Recherche in der Bewegung und dem Körper, Bewusstseinserweiterung
und neues Körperverständnis als Forschungsschwerpunkt. Forschung und
neue Tanzentwicklung stehen gleichberechtigt neben der Vermittlung von Techniken.
Dass Klassischer Tanz in diesem Kontext auch als zeitgenössische Kunstform
verstanden wird, artikuliert sich in der engen Kooperation mit der Forsythe
Company.
Der Ausbildungsbereich ZuKT in Zahlen
Im Ausbildungsbereich ZuKT an der
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt studieren momentan
25 Frauen und neun Männer verteilt auf vier Jahrgänge. Es gibt drei
Studios, einen Theorieraum und einen multifunktionalen Saal für Aufführungen.
Es ist eine kleine, gut überschaubare Abteilung, in der jeder Studierende
mit seinen spezifischen Stärken und Schwächen wahrgenommen und individuell
gefördert werden kann.
Das jetzige Leitungsteam, bestehend aus vier Professoren (Susanne Noodt, Angela
Schmidt, Marc Spradling, Dieter Heitkamp) und zwei Korrepetitoren (Tatjana Petercol,
James Schar), wird ergänzt durch fünf Lehrbeauftragte für Tanz,
drei Lehrbeauftragte im Theoriebereich, eine Lehrbeauftragte für Korrepetition
und zahlreiche Gäste, die für Intensivworkshops und künstlerische
Projekte eingeladen werden.
Das Ausbildungsmodell ZuKT
Das Ausbildungsmodell ruht auf sieben
Säulen:
1. Technik
2. Kreativität
3. Methoden zur Körperbewusstheit
4. Theorie
5. Projektarbeit
6. Interdisziplinarität
7. Aufführungen
1. TECHNIK
Vermittelt werden die grundlegenden Techniken:
des zeitgenössischen Tanzes (gekennzeichnet durch Release-Techniken, Partnerarbeit,
prozessorientierte und spartenübergreifende Arbeit),
des klassischen Tanzes (angelehnt an die russische Methode mit Spitzenarbeit,
Variationen, Pas de deux, Floor Barre, ferner neoklassische Ansätze),
des modernen Tanzes (von deutschem Ausdruckstanz wie z. B. Bewegungsprinzipien
nach Rudolf von Laban bis zu amerikanischen Modern Dance-Formen wie Limón,
Cunningham, Graham oder Horton)
des Folkloretanzes einschließlich Flamenco und Kastagnettenspiel.
Natürlich ist eine gute technische Basis eine wichtige Grundvoraussetzung.
Der klassische Tanz bietet mit seinem klaren Aufbau ein exzellentes Bewegungssystem
und eine gute Orientierung im Körper und mit dem Körper im Raum. Dieses
System ist sehr vertikal ausgerichtet (von Floor Barre einmal abgesehen). Zeitgenössische
Techniken sind ebenso wichtig, vermitteln andere Prinzipien, arbeiten mehr mit
dem Boden, mit Fluss oder off-center. Wichtig ist ein kreativer Umgang mit Technik,
in der Vermittlung ebenso wie in der Ausführung.
Aber was ist Technik? Was eine Technikklasse? – Technik bietet eine Erweiterung
der individuellen Bewegungsmöglichkeiten, mehr Auswahlmöglichkeiten,
was und wie sich etwas ausdrücken lässt. Technik kann tänzerische
Individualität und Ausdruckskraft steigern. Der Begriff Technik lässt
sich heute weiter fassen, eine breite Palette von Techniken (Philosophien) stehen
zur Verfügung: Klassische Technik, Alignment-Techniken, Release-Techniken,
Klein-Technik, Cunningham, Limón, Graham, Folklore, Jazz, Placement,
Tai Chi, Atemtechnik ...
Verschiedene Techniken können und sollen sich ergänzen und beeinflussen.
Wie erlerne ich eine Technik? – Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen
an Technik. Manchmal hilft eine entspanntere Art und Weise, neue Techniken zu
erlernen, manchmal der Einsatz von Bildern oder «hands on work»,
also von manuellen Korrekturen.
Muss eine Tänzerin, ein Tänzer heute jede Technik beherrschen? –
Da der Tag nur eine begrenzte Anzahl von Stunden hat und die Ausbildungszeit
auch begrenzt ist, gilt es, eine Balance zu finden zwischen der Vermittlung
eines Überblicks und fundiertem Wissen in Teilbereichen.
Außerdem ist es wichtig, Bewegungen analysieren zu können und Informationen
aus einer Technik in eine andere übertragen zu können und als Lehrer
Parallelen aufzuzeigen, Verbindungen herzustellen.
In Frankfurt ist der Unterricht in zeitgenössischem Tanz eher an Release-Technik
orientiert. Diese bildet ein gutes Gegengewicht und Ergänzung zum klassischen
Training, fördert die Durchlässigkeit, verfeinert die Artikulationen.
Die Arbeit mit dem Skelett, den Gelenken wird gefördert und der Einsatz
der Muskelkraft verringert bzw. effektiviert. Release-Technik arbeitet mit Spannung/Entspannung
und ihren verschiedenen Nuancen. Im Unterricht geht es um das Bewusstmachen
der Schwerkraft und des eigenen Gewichtes, der Umsetzung des Spiels aus beiden
Komponenten in Bewegung beim Wechsel zwischen den verschiedenen Ebenen vom Boden
über Stehen zum Springen. Release-Technik bietet günstige Voraussetzungen,
um mit so wenig Energieaufwand wie möglich den größtmöglichen
Bewegungsradius zu erzielen.
Verschiedene Moderne Techniken werden in Form von Intensivworkshops angeboten,
da wir es für wichtig erachten, dass die Studierenden Grundprinzipien aus
Graham-, Cunningham- und Limóntechnik im/am eigenen Körper erfahren,
erleben und deren Grundprinzipien erkennen, benennen und umsetzen können.
Neben Intensivworkshops mit wechselnden Lehrern, bei denen die Studierenden
lernen, sich schnell auf unterschiedliche, neue Informationen einzulassen, ist
es aber auch wichtig, kontinuierlich mit denselben Lehrern über ein Semester
lang an zeitgenössischer ebenso wie an klassischer Technik zu arbeiten.
Im Folkloreunterricht wird neben der Vermittlung von typischem Schrittmaterial
aus unterschiedlichsten Ländern viel Wert auf spielerischen Umgang mit
Rhythmus und ungewöhnlich Taktarten gelegt. Kreative Auseinandersetzung
mit der authentischen Folklore auf individuelle Weise lässt immer wieder
Choreographien entstehen, die die ursprüngliche Freude am Tanz vermitteln.
Der klassische Tanz beinhaltet tägliches Training, das auf der russischen
Methode basiert, erweitert durch Körperbewusstheitsmethoden wie Feldenkrais
und Alexander Technik, um ein besseres Verständnis der anatomischen Verbindungen,
einen effizienteren Gebrauch des Muskelsystems und des Energieflusses zu erreichen.
Die Studierenden werden ermutigt ihre eigene künstlerische Individualität
und Verantwortung in der Stilistik und Ästhetik der klassischen Technik
zu formen. Zusätzlich wird Unterricht erteilt in Floor Barre (Zena Rommett),
Spitzentanz für Frauen, separates Männertraining, Variationen, Pas
de deux und Repertoire von Petipa/klassisch über Balanchine/neoklassisch
zu Forsythe/contemporary-neoklassisch.
2. Kreativität
Neben dem täglichen Tanztraining
wird ein weiterer Schwerpunkt auf die Entwicklung von Kreativität und Spontaneität
gelegt durch Unterricht in:
Improvisation,
Komposition,
Action Theatre,
Contact Improvisation (CI),
Improvisation Technologies.
Die Kreativität wird im Improvisationsunterricht durch verschiedenste Ansätze
und Aufgaben gefördert, durch Erspüren des Körpers, seiner unterschiedlichen
Systeme und Bewegungsqualitäten, durch Authentic Movement oder Experiential
Anatomy, durch Erfinden von Variationen über vorgegebene Bewegungssequenzen,
durch Partneraufgaben, in denen gemeinsame Lösungen gefunden werden müssen,
schließlich auch durch Besuch von Ausstellungen, Gespräche über
bildende Kunst, Körperbilder, aber auch durch Einsatz von Stimme und Texten,
durch Zeichnen oder Schreiben.
Die verschiedenen Seminare in Improvisation und Komposition sollen im späteren
Verlauf des Studiums zu einer immer persönlicheren Tanzsprache führen.
Teil der Diplomprüfung ist das Entwickeln einer eigenen Choreographie.
Darauf vorbereitend wird Kompositionsunterricht erteilt. Dieser beinhaltet Laban-Prinzipien
ebenso wie Konzeptentwicklung und Fragestellungen zum Inhalt, zu Präsentationsformen
und gesellschaftlichen Bezügen, wie sie z. B. in dem Buch Why All Theses
Questions? The Mouson – Springdance/dialogue, Frankfurt (herausgegeben
von Simon Dove and Gabriel Smeets beim Theater Instituut Nederland, Amsterdam
2002) gestellt werden. Manchmal werden Seminare in Verbindung mit der Kompositionsabteilung
für Musiker und Tänzer gemeinsam angeboten, so etwa in Zusammenarbeit
mit Isabel Mundry, Professorin für Komposition, zum Thema KLANG–KÖRPER–RAUM
oder BILD–MUSIK–TANZ.
3. Methoden zur Körperbewusstheit
Grundlage für den Tanz und Bewegungsunterricht
ist ein fundiertes Körperwissen und eine geschärfte Wahrnehmung durch
Unterricht in Körperbewusstheits-methoden wie Feldenkrais, Alexandertechnik
oder Body-Mind Centering (BMC).
Im Rahmen der Arbeitsgruppe Studienstruktureform an der HFMDK wird auf Körperbewusstheitsmethoden
auch für die Musikerausbildung in Zukunft mehr Gewicht gelegt. Diese werden
Teil des Curriculums für Musiker, Dirigenten und Komponisten.
Von November 2004 bis April 2005 hat an der HFMDK eine Workshopreihe zu Körperbewusstheitsmethoden
und Musikspezifischer Bewegungslehre spartenübergreifend stattgefunden
mit sieben Seminaren in Alexandertechnik, Ideokinesie, Body-Mind Centering,
Mentalem Training, Dispokinesis und Gyrokinesis.
Diese Reihe wird im Studienjahr 2005/06 fortgeführt und durch eine Workshopreihe
zum Thema «Körper im Theater» ergänzt.
Es wird regelmäßig Feldenkrais-Unterricht in der Gruppe angeboten,
und Studierende haben die Möglichkeit, jederzeit Einzeltermine zu vereinbaren.
Durch eine Schulung der Wahrnehmung wird eine größere Bewusstheit
und Effizienz in der Bewegung angestrebt. Bewegungsanalysen ermöglichen
das Erkennen von Bewegungsmustern und deren Neustrukturierung, wodurch die Verletzungsgefahr
verringert wird. Alexandertechnik und BMC werden in Form von Intensivworkshops
vermittelt.
4. Theorie
Durch Unterricht in Musiktheorie
(sechs, demnächst nur noch vier Semester), Anatomie einschließlich
Tanzmedizin (zwei Semester) und Tanzgeschichte (vier Semester) wird ein tieferes
Verständnis für die Kunstform Tanz entwickelt. Die Theoriefächer
sollen Wissen über Grundlagen, Funktionen und historische Formen des Tanzes
vermitteln, um zeitgenössische Produktionen auch als Teil der Tanz- und
Kulturgeschichte zu begreifen. Dass Studierende der Tanzkritik gemeinsam mit
Tanzstudenten Seminare in Tanzgeschichte bei Dr. habil. Gerald Siegmund hören,
der zum Wintersemester 2005/6 eine Professur in Bern angenommen hat, und auch
in praktischen Unterrichtsveranstaltungen hospitieren, schafft nicht unbedingt
und nicht von selbst die erwünschte Verbindung von Theorie und Praxis.
Aber es schafft Berührungspunkte. In wöchentlichen Tanzfilm/Video-Reihen
werden aktuelle und historische Aufzeichnungen von Tanz-, Tanztheater- und Ballettproduktionen
sowie Tanzvideoproduktionen vorgestellt oder auch Bezüge zwischen Tanz,
Film und Musik hergestellt. Den Studenten steht außerdem eine umfangreiche
Videothek für die Ausleihe zur Verfügung.
Seit 1997 gibt es «Tanzmedizin Deutschland (TaMeD)», eine Organisation
von Medizinern, Physiotherapeuten, Choreographen, Tänzern und Pädagogen,
die es sich zum Ziel gesetzt haben, Tänzer medizinisch zu betreuen und
die sich insbesondere mit der Verletzungsprophylaxe beschäftigt haben.
Hartmut Schöffner ist als Anatomielehrer und Physiotherapeut in unserer
Abteilung tätig und Mitbegründer von TaMeD. Bei ihm erhalten Studierende
auch eine Einführung in Pilates-Technik und in die Arbeit mit Pilates Geräten,
um die Mitte zu stabilisieren und zu kräftigen. Studierende lernen, sorgfältiger
mit ihrem Körper umzugehen, mehr auf ihn zu hören, auf Verletzungen
zu achten und diese auszukurieren, um lange optimal tanzen zu können.
Im ersten Jahr werden Grundkenntnisse der Musiktheorie und der Rhythmik erworben,
die in verschiedenen Übungen durch die drei (demnächst zwei) Ausbildungsjahre
kontinuierlich im Schwierigkeitsgrad gesteigert werden. Ab dem zweiten Semester
werden zusätzlich durch Partiturlesen und Musikhören Klangvorstellung
und Musikanalyse geschult. Im zweiten und dritten Jahr liegt der Schwerpunkt
im Erfassen der musikalischen Formen – sowohl der mit dem Tanz eng verbundenen,
als auch der vom Tanz unabhängigen.
Diplomarbeit / Bachelorarbeit
Jeder Studierende muss in Zukunft
statt zwei schriftlichen Diplomarbeiten eine umfangreichere Bachelorarbeit vorlegen:
ein thematisches Rechercheprojekt, dessen Fokus die Untersuchung und Bearbeitung
eines spezifischen Themas aus einem der Theoriefächer ist.
Diese Arbeit soll die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen
Recherchepraktiken, mit Quellen, Materialsuche und ihrer Auswertung unter Beweis
stellen.
In der AG Studienstrukturreform der Hochschule gibt es momentan Bestrebungen,
Grundwissenschaften und Kulturwissenschaft als weitere Fächer in den Fächerkanon
der theoretischen Fächer aufzunehmen. Im Zentrum der Grundwissenschaften
steht die Betrachtung und Analyse der individuellen, gesellschaftlichen und
strukturellen Rahmenbedingungen künstlerischen Handelns. Zu den Zielsetzungen
gehören u. a.:
Orientierung in der beruflichen Wirklichkeit,
Initiierung und Weiterentwicklung beruflicher Handlungskompetenz,
Reflexion der persönlichen und künstlerischen Position in der Gesellschaft,
konstruktive Weiterentwicklung der eigenen Berufsidentität.
Weitere mögliche Themenfelder sind Genderforschung und Kultur als Konstruktion
sowie Reflexion von Wirklichkeit.
Zusätzliche Intensivseminare und Vorträge sind angedacht zu Bühnenrecht
und Vertragswesen. In Zusammenarbeit mit dem Mousonturm wurde bereits ein erstes
Seminar zu Lichtdesign durchgeführt, und Melanie Suchy hielt einen Vortrag
«Wie und Wo kann man Projektanträge stellen?»
5. Projektarbeit
Um eine umfassende und vor allem
praxisorientierte Ausbildung zu gewährleisten, werden den Studierenden
durch internationale Gastdozenten und Choreographen Einführungen gegeben
in relevante neue Tanztechniken. Durch projektbezogene choreographische Recherche
und Vermittlung verschiedener choreographischer Arbeitsmethoden lernen die Studierenden
so, auf die unterschiedlichen Anforderungen im Berufsleben flexibel zu reagieren.
Wünschenswert wäre eine vermehrte Projektarbeit, die nicht nur «technikorientiert»
ist oder in der «produktorientiert» Choreographien entwickelt werden,
sondern in der auch anderen Formen künstlerischer, prozessorientierter
Bewegungsrecherche ermöglicht wird.
Unter Projektarbeit lässt sich auch selbstständiges Formulieren, Entwickeln
und Realisieren eigener Projektvorhaben fassen. Dabei müssen sich Studierende
mit Themenfindung, Bewegungsfindung, Exploration, Verarbeitung von Erfahrung,
Arbeits- und Präsentationsformen, Feedback (Wie und Wofür?) sowie
künstlerischer und öffentlicher Diskussion auseinandersetzen.
Zu Projektarbeit wurden bisher Choreographen eingeladen wie Marguerite Donlon
(Ballettdirektion Saarbrücken), Marek Rozycki, Roberto Galvan, Dimitri
Simkin (Staatstheater Wiesbaden), Richard Siegal (Ballett Frankfurt), Nicole
Caccivio, Marco Santi (Tanztheater Osnabrück), Toula Limnaios, Jo Siska,
Sabine Lemke, Jennifer Hanna, viele ehemalige Mitglieder der Kompanie S.O.A.P.,
Rui Horta (Frankfurt) und viele weitere freischaffende Künstler.
6. Interdisziplinarität
Spannende Entwicklungen im Tanz finden
oft an den Grenzbereichen zu anderen Sparten statt. Die Frankfurter Hochschule
bietet Möglichkeiten zu spartenübergreifendem Arbeiten. Diese werden
vermehrt genutzt. In den Diskussionen zur Studienstrukturreform wurde an der
HFMDK u. a. auch über die Wichtigkeit von interdisziplinären Projekten
Einigkeit erreicht. Interdisziplinarität kann genauso wie Innovation ein
Kriterium der Evaluation einer Ausbildung sein. Durch interdisziplinäre
Projekte und gemeinsame Seminare mit anderen Fachbereichen und anderen Hochschulen
kommt es zur Begegnung mit anderen Kunst- und Darstellungsformen, wird Kooperation
erprobt, Wissen ausgetauscht, kommt es zu spannenden unterschiedlichen Sichtweisen
und Interpretationen von Gesehenem und Gehörtem.
Ein solches interdisziplinäres Projekt in Verbindung mit anderen Ausbildungs-
und Fachbereichen und anderen Hochschulen war im Februar 2004 die Musik-Tanz-Video-Installation
Das Blaue Fleisch im Frankfurter Dom, eine Kooperation zwischen der HFMDK, der
Fachhochschule Mainz und der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, die dieses
Projekt initiiert und finanziert hat. Es ging inhaltlich um die «Elemente»
im Werk von Yves Klein mit Textauszügen aus Blue von Derek Jarman. Beteiligt
waren 25 Tänzer, ein Schauspieler, eine Sängerin, vier Komponisten,
fünf Musiker, zehn Videofilmer (Studierende des FB Medien-Design der FH
Mainz) unter der künstlerischen Leitung von Prof. Isabel Mundry (Komposition),
Lutz Gregor (Video), Prof. Dieter Heitkamp (Tanz) und der Mitarbeit von Nicole
Peisl (Ballett Frankfurt / Choreographie).
Im Wintersemester 2002/2003 kam es zum ersten Mal zu einer Kooperation mit der
Fachhochschule Mainz, Studiengang Medien-Design (Gastprofessor Lutz Gregor)
und dem Ausbildungsbereich ZuKT (Prof. Dieter Heitkamp). Im Seminar «Elektronische
Szenographie – VideoTanz» arbeiteten 14 Filmer/Medienkünstler,
16 Tänzer, zwei Schauspieler und zwei Musiker/Komponisten zusammen. Auf
der Grundlage von Heiner Müllers Bildbeschreibung wurde die Schnittstelle
von Körper, Bild, Musik und Sprache in einer Live Bühnensituation
untersucht. Der Text diente als ‹Steinbruch› für eine künstlerische
Umsetzung von Bildausschnitten, Textfragmenten, Bewegungsversatzstücken
und Klanglandschaften BrainDance, ein ungewöhnliches interdisziplinäres
Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Thilo Hinterberger vom Institut für
Medizinische Psychologie der Universität Tübingen entwickelt. Auf
der Basis eines an diesem Institut entwickelten Brain–Computer–Interface,
des TTD («Thought Translation Device»), das normalerweise als medizinische
Anwendung Schwerstgelähmten die Möglichkeit bietet, mit der Umwelt
auf elektronischem Wege zu kommunizieren, treten Tänzer in einen Dialog
mit ihren sonifizierten Hirnsignalen. BrainDance hatte im Oktober 2004 im Rahmen
der Verleihung des Medienkunstpreises in Baden-Baden Premiere.
Als Forum für Interdisziplinäre Projekte hat sich das 2. Festival
Junger Talente in Offenbach etabliert, das durch Sponsoren und einen Förderverein
finanziert wird. Vier hessische Hochschulen waren daran beteiligt: Die HFMDK
(Frankfurt), die Städelschule (Frankfurt), die Hochschule für Gestaltung
(Offenbach) und das Institut für Angewandte Theaterwissenschaften der Universität
Gießen. Im November 2003 wurden gemeinsam entwickelte sparten- und hochschulübergreifende
Projekte von Studierenden in der Messe Offenbach vorgestellt.
7. Aufführungen
Um Bühnenerfahrung zu sammeln,
werden die Ergebnisse diverser Projektarbeiten in dreimal jährlich stattfindenden
Aufführungsreihen und Lecture Demonstrations, in der Regel im März,
Mai und Juli präsentiert. Dies geschieht nicht nur in der Hochschule, sondern
um ein anderes Publikum zu erreichen, auch im Gallus Theater und in Zusammenarbeit
mit der Hessischen Theaterakademie im Mousonturm. Für jeden Aufführungsort
gibt es unterschiedliche Programmkonzepte. Im Gallus Theater werden neben Gastchoreographien
Eigenarbeiten von Studierenden gezeigt, im Mousonturm eher zeitgenössische
und neoklassische Produktionen und in der Hochschule das gesamte Spektrum der
künstlerisch- pädagogischen Arbeit.
Außerdem öffnet ZuKT dem Tanz neue Räume in der Stadt, sei es
der Frankfurter Dom, das Museum für Kommunikation oder die Messe Offenbach.
ZuKT wird regelmäßig mit verschiedenen Programmen zu Gastspielen
in Theater im Rhein-Main-Gebiet eingeladen (bislang Mainz, Gießen, Marburg,
Wiesbaden, Würzburg).
Schon die Studierenden des ersten Semesters stehen in Choreographien von Gastchoreographen
auf der Bühne und das Publikum verfolgt mittlerweile mit großem Interesse
die Entwicklung von einzelnen Studenten und auch der ganzen Abteilung.
Im Juni 2005 erhielt ZuKT den Zuschauerpreis der Hessischen Theatertage in Wiesbaden.
Körperbewusst zwischen Technik und Kreativität
Die Ausbildung in Frankfurt lässt
sich mit folgendem Motto umschreiben:
«Körperbewusst zwischen Technik und Kreativität»
Körperbewusst weil der menschliche Körper, das Wissen um Physis und
Psyche, den Ausgangspunkt für Bewegung, Tanz und letztlich auch den künstlerischen
Ausdruck bildet. Der Körper ist dabei nicht nur Instrument, um etwas auszudrücken,
sondern gleichzeitig auch Inspirationsquelle.
Technik und Kreativität bilden zwei Pole, die sich gegenseitig beeinflussen
und einen Rahmen abstecken für Inhalte der heutigen Tanzausbildung. Technik
und Kreativität müssen parallel entwickelt und gefördert werden.
Pädagogenfortbildung
Die Lehrer im Ausbildungsbereich
sind nicht nur mit der Vermittlung von Technik beschäftigt, sondern auch
interessiert an der Weiterentwicklung von Technik und Methodiken.
Auf der «Tanzmesse NRW» in Düsseldorf im Juni 2000 wurde in
einer Arbeitsgruppe von Vertretern verschiedener Ausbildungsinstitutionen im
Bühnentanz diskutiert, ob Methoden aus dem letzten Jahrhundert noch für
das neue Jahrtausend Gültigkeit haben können. Diese Fragestellung
allein wäre vor zwanzig Jahren undenkbar gewesen. In einem Folgetreffen
auf dem Kölner Kongress «Tanzmedizin Deutschland» im April
2001 gab es einen ersten Austausch über Körperbewusstheitsmethoden
in der Tanzausbildung heute, und daraus resultierend Vorschläge zu einem
Fortbildungsseminar für Ballettpädagogen über die Vermittlung
von klassischem Tanz unter Einbeziehung von Prinzipien aus Alexandertechnik,
Kinesiologie und anderen Körperbewusstheitsmethoden. Ein erster Workshop
fand im November 2002 mit dem Titel «Unterschiedliche Sichtweisen in der
Vermittlung Klassischen Tanzes» unter Leitung von Paul Estabrook (Amsterdam
und New York) in der Hochschule in Frankfurt statt. Die Reaktionen waren so
positiv, dass diese Reihe 2003 mit Janet Panetta «Klassischer Tanz für
zeitgenössische Tänzer» und in 2004 mit Finish Jhung fortgesetzt
wurde. Im November 2005 stellte Zvi Gotheimer aus New York seine Methodik vor.
Im Februar 2005 wurde zum ersten Mal ein Fortbildungsworkshop für zeitgenössische
Tanzpädagogik mit Prof. José Biondi angeboten, der im Februar 2006
fortgesetzt wird.
Ziele des Studiums
Ziel des Ausbildungsbereiches Zeitgenössischer und Klassischer Tanz ist eine berufsqualifizierende Ausbildung mit Diplom zur Bühnentänzerin und zum Bühnentänzer. Ein weiteres Ziel der Ausbildung ist es, denkende Tänzerinnen und Tänzer zu erziehen, die über sich und die eigene Kunstform in künstlerischem, historischem und gesellschaftlichem Kontext reflektieren können. Es ist wichtig, dass am Ende der Ausbildung Persönlichkeiten auf der Bühne und im Leben stehen mit einem individuellen Profil, keine normierten Einheitsidealkörper. Ziel ist es auch, dass Studierende in der Lage sind, selbstbewusst und verantwortlich in Gruppen zu agieren, diese positiv mitzugestalten und soziales und politisches Engagement zu entwickeln.
Aufbau und Dauer des Studiums
Die Studiendauer beträgt in
der Regel acht Semester. Der Studienbeginn ist nur zum Wintersemester möglich.
Die Vordiplomprüfung findet am Ende des vierten Semesters statt, die Diplomprüfung
am Ende des achten Semesters. Besonders begabte Studierende können das
Diplom am Ende des 6. Semesters ablegen.
In den ersten zwei Semestern wird die Grundtechnik im klassischen, zeitgenössischen,
modernen Tanz und Folkloretanz gelehrt. Schwerpunkt in dieser Zeit ist die Körperbildung
und die Schulung des Körperbewusstseins. Erweitert wird dies durch die
theoretischen Fächer Anatomie und Musiktheorie.
Ab dem dritten Semester wird das gesamte Spektrum der oben erwähnten Fächer
weiter ausdifferenziert und durch Repertoire und Pas de deux ergänzt. Als
weiteres Theoriefach kommt Tanzgeschichte hinzu.
Ab dem fünften Semester liegt der Schwerpunkt des Studiums auf der technischen
und tänzerischen Gestaltung. Dies wird durch die Interdisziplinären
Projekte, Kompositionsunterricht und Zusammenarbeit mit Gastdozenten und Choreographen
noch verstärkt.
Zukünftige Entwicklungen des Studiengangs
Im Rahmen der Studienstrukturreform
wird die Umwandlung des Studienganges ZuKT von einem Diplomstudiengang zu einem
Bachelorstudiengang ZuKT vollzogen. Ein Masterstudiengang «Tanzpädagogik
für Zeitgenössischen Tanz» ist in Vorbereitung, ein Masterstudiengang
«Choreographie / Performance» in Zusammenarbeit mit Prof. Heiner
Goebbels und dem Institut für Angewandte Thaterwissenschaften in Gießen
wird gerade diskutiert.
Die neue Struktur für den Bachelorstudiengang ZuKT sieht im dritten Jahr
eine Schwerpunktbildung für zeitgenössischen oder klassischen Tanz
vor.
Im Zeitgenössischen heißt das: Zusätzlich zum Training Unterricht
in Modern Dance und weiteren Tanzformen, Partnering, Improvisation Technologies,
Yoga/Tai Chi, Schauspieltraining, Stimmtraining.
Im Klassischen heißt das: Zusätzliche Technique Labs, Spitzentraining/Männertraining,
Pas de deux, Variationen.
Im vierten Jahr ist vorgesehen, ähnlich wie in den Niederlanden, den Übergang
von der Hochschule in die Berufspraxis besser vorzubereiten.
Geplant sind hierfür ein dreimonatiges Praktikum an einem Theater, einem
Choreographischen Zentrum, in einer freien Gruppe oder ein formuliertes Recherchevorhaben.
Im Idealfall beinhaltet das die Teilnahme an einem künstlerischen Projekt.
Außerdem muß ein eigenes künstlerisches Projekt verwirklicht
werden, die Teilnahme an sechs Auditions nachgewiesen und Berichte über
den Besuch von zwanzig Veranstaltungen aus Tanz/Theater/Performance vorgelegt
werden. Zeit für das Abfassen einer schriftlichen Bachelorarbeit wird zusätzlich
eingeräumt.
Das Frankfurter Modell ist kein fertiges, sondern in der Entwicklung begriffen.
Das Leitungsteam ist beständig dabei, das Modell zu hinterfragen und zu
verbessern. Die Aufgabe für das nächste Jahre ist, das European Creditpoint
Transfer System (ECTS) einzuführen, um international kompatible Bedingungen
zu erreichen. Wir variieren das Modell kontinuierlich, denn letztendlich ist
jeder Ausbildungsjahrgang sehr individuell in dem, was er an Voraussetzungen
mitbringt, wie er sich entwickelt und welche Informationen er als nächstes
benötigt.
Außerdem gilt es neben dem, was wir wissen, Raum zu schaffen für
das, was wir nicht wissen: für Bewegungsforschung und neue Tanzentwicklung.
Gründung der Hessischen Theaterakademie
Am 4. Dezember 2002 wurde in der
Frankfurter HFMDK offiziell die Hessische Theaterakademie gegründet. Sie
ist ein Zusammenschluss des Fachbereiches Darstellende Kunst mit den Ausbildungsbereichen
Zeitgenössischer und Klassischer Tanz, Schauspiel, Musiktheater, Szene,
den in Akkreditierung befindlichen Masterstudiengängen Musiktheater-, Theater-
und Tanzkritik sowie Theater- und Orchestermanagement, dem Institut für
angewandte Theaterwissenschaften der Justus-von-Liebig-Universität Gießen,
dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Johann-Wolfgang-Goethe
Universität in Frankfurt am Main, Studiengang Dramaturgie, der Bühnenbildklasse
von Prof. Rosalie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und außerdem
allen Stadt- und Staatstheatern aus der Region: Oper und Schauspiel Frankfurt,
Staatstheater Wiesbaden, die Theater in Darmstadt, Kassel, Mainz, Marburg und
Gießen sowie dem Mousonturm Frankfurt.
Durch Sondermittel der Hessischen Landesregierung können jedes Jahr Produktionen
der verschiedenen Ausbildungsbereiche entwickelt werden, die dann unter professionellen
Bedingungen auf einer Bühne der beteiligten Theater zur Premiere gelangen
und anschließend auch an anderen Bühnen gezeigt werden.
Die Theaterakademie ermöglicht auch spannende Kooperationen von studentischen
Projekten. So wurde zu Beginn des Wintersemesters 2004/05 die Geschichte vom
Soldaten von Strawinski ausschließlich mit Studierenden erarbeitet. Regie
führte ein Student des Ausbildungsbereiches Szene der HFMDK, Dramaturgin
war eine Studentin der Universität, Bühnen- und Kostümbild schufen
zwei Studierende der HFG Offenbach. Außerdem wirkten von der HFMDK mit
drei Schauspielstudenten, zwei Tanzstudentinnen (die auch die Choreographie
entwickelten), die Orchestermusiker, der Dirigent und sogar ein Student im Fach
Kulturmanagement, der sich um die Präsentation und das Budget kümmerte.
Durch die Hessische Theaterakademie kommt es zu besseren Arbeitsbeziehungen
mit den Tanztheatern der assoziierten Bühnen. So sind gerade zwei Frankfurter
Studenten als Eleven nach Darmstadt und einer nach Gießen gegangen.
Internationale Kooperationen
Ein gutes Beispiel für internationale
Kooperationen in der Tanzausbildung ist der Internationale Tanzaustausch Ruhr,
der im Dezember 2004 zum dritten mal stattgefunden hat und zu dem wir zum dritten
mal in Reihe eingeladen wurden.
Die Ausbildungssituation für Tänzerinnen und Tänzer an Ausbildungsinstitutionen
in Deutschland muss im europäischen Kontext, eventuell sogar in einem multikulturellen
Kontext gesehen werden. Das zeigte der 2. Internationale Tanzaustausch Ruhr
2002, der bei PACT (Performing Arts Choreographisches Zentrum NRW Tanzlandschaft
Ruhr) in Essen stattfand und organisiert wurde von der Tanzlandschschaft Ruhr
(Leitung Stefan Hilterhaus, Projektleitung Yvonne Whyte). In Essen kamen verschiedene
internationale Ausbildungsinstitute für Bühnentanz zu einem überaus
anregenden, praxisorientierten und angesichts eines zusammenwachsenden Europa
auch notwendigen Austausch zusammen über Arbeitsweisen, Inhalte und Organisation
von professioneller Tanzausbildung heute. Beteiligt waren bisher P.A.R.T.S.
(Performing Arts Training and Research Studios, Brüssel, B), Rotterdamse
Dansacademie (NL), Centre National de Danse Contemporaine d’Angers (F),
Laban Centre, London (GB), London Contemporary Dance School (GB), Folkwang Hochschule
Essen, Studiengang Tanz (D), Palucca-Schule Dresden, Hochschule für Tanz
(D), Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Ausbildungsbereich
ZuKT (D), Yildiz Teknik Üniversitesi Dans Programi, Istanbul (Türkei),
Attakalari Centre for Movement Arts, Bangalore (Indien) sowie Tanzausbildungsinstitute
aus Tallin und Viljandi in Estland.
Bei einer Podiumsdiskussion während des 1. Internationalen Tanzaustausch
Ruhr im Dezember 2000 wurden Studierende, Lehrkräfte und Organisatoren
gefragt, was sie von der Tanzausbildung heute erwarten.
Hier eine Auflistung von Stichworten in der Reihenfolge, wie sie von Studierenden
genannt wurden:
OUTPUT, KREATIVITÄT, TRÄUME, INSPIRATION, INDIVIDUALITÄT, AUFREGUNG,
ADRENALIN, WISSEN, HILFE, AUSDRUCK, ENTWICKLUNG, LIEBE, HERUMKOMMEN, SUBTILITÄT,
KÖRPERLICHKEIT, VERBINDUNG MIT ANDEREN KÜNSTEN, PROFESSIONALITÄT,
KOMMUNIKATION, SELBSTVERTRAUEN, COURAGE, ENTHUSIASMUS, VERANTWORTUNG, DISZIPLIN,
LEIDENSCHAFT, HERAUSFINDEN, GEDULD, LEARNING HOW TO LEARN
Schlussbemerkung
Tänzerinnen und Tänzer
müssen heute flexibel auf unterschiedlichste Anforderungen reagieren können.
Die Neugierde und die Bereitschaft, Neues zu erlernen, sollte nicht mit dem
Studium aufhören, sondern sich auch durch das Berufsleben ziehen. Dieses
gilt auch für Tanzpädagogen.
Weitere Informationen sind der im Aufbau befindlichen Website der Hochschule
für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main zu entnehmen.
Prof. Dieter Heitkamp
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
Eschersheimer Landstr. 29-39
D-60322 Frankfurt am Main
+49--(0)69-154 007 146
Prof. Dieter Heitkamp